Über Carbon-Offsets

Der verantwortungsvolle Umgang mit Offsets

In der Vergangenheit gab es, durch Greenwashing von Unternehmen und Projekte, die gegen Best Practices verstießen, viel Kritik an Carbon-Offsets. Dies muss sich ändern, wenn Carbon-Offsets eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung spielen sollen. Kurz gesagt, Unternehmen und Einzelpersonen müssen über den vernünftigen Gebrauch von Carbon-Offsets aufgeklärt werden. Offsets sollten nicht als Alternative zur Emissionsreduzierung betrachtet werden, sondern vielmehr als Mittel zur Kompensation unvermeidbarer Emissionen. Sie sollten nur vorübergehend eingesetzt werden, um den Übergang der Gesellschaft zu einer kohlenstoffarmen bzw. kohlenstofffreien Wirtschaft nicht zu verzögern (UNEP, 2020). Die Science-Based Targets Initiative (SBTi) hat ihren Leitfaden für die Verwendung von Offsets als Teil eines fundierten Programms zur Emissionsreduzierung in Unternehmen veröffentlicht und damit zu einer wachsenden Debatte darüber beigetragen, was " CO2-Neutralität " ist und was nicht. In den letzten Jahren hat die International Carbon Reductions & Offsetting Alliance (ICROA) Anstrengungen unternommen, um die Methoden zur CO2-Kompensation zu verbessern. Weitere Informationen über ICROA findest du in Anhang 3. Es besteht jedoch noch Spielraum für weitere Transparenz und Standardisierung.
Aus DeFi Sicht ist es wichtig zu wissen, dass die Angebotsseite von Carbon-Offsets bisher ziemlich dezentralisiert war, sowohl aus finanzieller, technologischer als auch geografischer Sicht. Es bietet sich die einmalige Gelegenheit, diese Projekte zukünftig über DeFi-Mechanismen direkt zu finanzieren und damit die Dezentralität sowohl der Kapitalbildung als auch des Kapitaleinsatzes für Nachhaltigkeitsprojekte zu verbessern.

Konkrete Kritikpunkte

Kritikpunkt 1: Carbon-Offsets sind nicht vertrauenswürdig
Dies ist ein wichtiger Punkt, weshalb wir etwas herauszoomen sollten. Das Konzept der Carbon-Offsets gibt es schon seit einiger Zeit, aber einen richtigen Schub bekam es 2005, als das Kyoto-Protokoll in Kraft trat. Damals war es noch ein relativ neues Konzept mit einigen Kinderkrankheiten, und einige Gauner nutzten die mangelnde Kontrolle aus.
Heute ist es zu einer soliden globalen Rahmenregelung herangereift, die in den letzten 15 Jahren von Experten entwickelt wurde. Den Kern bilden international anerkannte Zertifizierungsstellen, die dafür sorgen, dass jede Tonne CO2-Offsets, die sie zertifizieren, streng gemessen, überwacht und überprüft wird.
Da wären zum Beispiel der Verified Carbon Standard und der Gold Standard. Sie gelten weltweit als die beiden höchsten Standards für die Qualität von Carbon-Offsets und zertifizieren alle unsere Projekte. Sie garantieren, dass jede kompensierte Tonne CO2 folgende Eigenschaften aufweist:
Sie ist zusätzlich: sie wäre ohne das Projekt nicht zustande gekommen
Sie ist gebunden: sie verursacht keine Zunahme von Emissionen an anderer Stelle
Sie ist dauerhaft: sie ist vor Zerstörung durch menschliche oder natürliche Ursachen geschützt
Sie ist nachhaltig: sie wirkt sich positiv auf die lokalen Gemeinschaften und die Umwelt aus
Sie ist geprüft: sie wird von einer unabhängigen dritten Partei inspiziert und überprüft
Sie ist einmalig: sie hat eine eindeutige ID in einem öffentlichen Register und kann nur einmal gezählt werden.
Auch wenn es immer jemanden geben wird, der online nicht zertifizierte oder fragwürdige Offsets verkauft, gewährleisten diese Standards, dass die entsprechenden Offsets vertrauenswürdig und effektiv sind.

Kritikpunkt 2: Offsets sind eine Erlaubnis zur Umweltverschmutzung

Benutzen die Menschen Carbon-Offsets als Vorwand, um die Umwelt noch mehr zu verschmutzen? Das würde sicherlich ihren Zweck verfehlen! Stimmt das denn? Forscher aus Deutschland sind dieser Frage nachgegangen und haben herausgefunden, dass das Gegenteil der Fall ist: Wer seine Emissionen kompensiert, handelt auch in anderen Bereichen seines Lebens klimafreundlicher. "Offsets sind ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz", erklärt Prof. Andreas Ziegler. "Der häufig geäußerte Vorbehalt, es handele sich um einen Ablasshandel zur Rechtfertigung zusätzlicher CO2-Emissionen, trifft nicht zu." Es entspricht auch dem gesunden Menschenverstand: Wer sich persönlich für eine Sache einsetzt, will auch etwas dafür tun, dass sie gelingt. Kompensieren und Reduzieren gehen Hand in Hand. Um überhaupt mit dem Offset-Prozess beginnen zu können, muss man zunächst seine Emissionen messen. Ohne aussagekräftige Daten über die Emissionen einer Organisation (oder einer Einzelperson) ist es ziemlich schwierig, Maßnahmen zu deren Reduzierung zu ergreifen. Die Vorbereitung auf den Offset-Prozess eröffnet also auch eine Welt von Möglichkeiten, die Emissionsquellen zu verstehen und Wege zu ihrer Reduzierung zu finden.

Kritikpunkt 3: Offsets sind eine Erlaubnis zur Umweltverschmutzung - Teil 2

Das hören wir ständig, aber unsere Untersuchungen kommen zu einem ganz anderen Ergebnis: Die Unternehmen, die Offsets kaufen, tun dies als Teil einer Gesamtstrategie für das CO2-Management. Sie nutzen Offsets vor allem, um entweder Emissionen zu bekämpfen, die sie intern nicht beseitigen können, oder um einen internen "Preis für CO2" zu schaffen, der die Aufmerksamkeit auf die Emissionen lenkt und die Reduktion beschleunigt. Von den Unternehmen, die im Käuferbericht 2016 von Ecosystem Marketplace (EM) erfasst wurden, haben 88 % der freiwilligen Käufer von Offsets und 92 % der Käufer von Compliance-Produkten formell Emissionsreduktionsziele festgelegt. Im Jahr 2014 investierten die 314 Unternehmen, die Offsets benutzten, mehr als insgesamt 42 Milliarden US-Dollar in Klimamaßnahmen und übertrafen damit die Klimainvestitionen der 1.522 Unternehmen, die keine Offsets benutzten (41 Milliarden US-Dollar). Tatsächlich geben Unternehmen, die Carbon-Offsets (“Klima-Kompensationen) in ihre CO2-Managementstrategie aufgenommen haben, in der Regel etwa zehnmal mehr aus als das typische Unternehmen, das keine Offsets vorgenommen hat. Entgegen des "Greenwashing"-Narrativs scheint es, dass die Verwendung von Offsets zunehmend das Kennzeichen der Unternehmen ist, die beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. Quelle
Kritikpunkt 4: Offsets haben keinen direkten Einfluss auf die Emissionen
Im Gegensatz zu den Emissionsberechtigungen, die auf den Cap-and-Trade-Märkten verwendet werden, handelt es sich bei Offsets immer um die tatsächliche Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre oder um vermiedene Emissionen irgendwo auf der Welt. Die CO2-Standards verlangen von den Klimaschutzprojekten den Nachweis der "Zusätzlichkeit", d. h. sie müssen zeigen, dass die Emissionsreduzierung ohne das Projekt und die damit verbundene Finanzierung nicht stattgefunden hätte. Darüber hinaus hat der jüngste EM-Bericht ergeben, dass 79 Unternehmen Offsets innerhalb ihrer eigenen Betriebsabläufe oder Lieferketten generieren, indem sie Emissionen über die gesetzlichen Anforderungen und wirtschaftlichen Anreize hinaus reduzieren. L'Oreal zum Beispiel verteilt effiziente, sauberer verbrennende Öfen an Frauen in Burkina Faso, die dafür verwendet werden, die für Kosmetikprodukte verwendeten Shea Nüsse zu kochen. Diese Öfen reduzieren die Emissionen, da weniger Bäume gefällt werden müssen und in der Konsequenz Wälder geschont werden. Zusätzlich verringern sie die Gesundheitsrisiken, die durch Rauch in Innenräumen entstehen. Quelle

Weitere Informationen

Was sind Carbon-Offsets?
Der Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre wird von Ökonomen als "negativer externer Effekt" bezeichnet: Es handelt sich dabei um ein Nebenprodukt wirtschaftlicher oder anderer Aktivitäten, welches jetzt und in Zukunft Schaden anrichtet. Unternehmen und Verbraucher zahlen nicht (genug) für diese "negativen externen Effekte" und stoßen daher zu viel CO2 aus. Dies ist ein Marktversagen - der Markt selbst internalisiert die Kosten dieser Emissionen nicht, sodass kollektive Maßnahmen erforderlich sind, um das gesellschaftlich gewünschte Ergebnis zu erzielen. In der Wirtschaftstheorie ist eine explizite Preisgestaltung die Lösung für einen solchen externen Effekt. Dies kann entweder durch die Einführung einer Steuer auf CO2 oder durch die Einführung eines Marktes für Emissionszertifikate geschehen. Quelle
Wir können zwischen regulierten Märkten (sogenannte "Compliance-Märkte) und freiwilligen Märkten unterscheiden. Auf den CO2-Märkten können entweder Quoten ("Quotas") oder Gutschriften ("Credits") gehandelt werden. Emissionszertifikate sind von der Regierung ausgegebene Quoteneinheiten oder handelbare, bankfähige Berechtigungen zur Emission von Schadstoffen. Ein Beispiel ist das European Emission Trading System (EU ETS).
Was ist Zusätzlichkeit und warum ist sie wichtig?
Um Zusätzlichkeit zu erreichen, muss das Carbon Crediting-Programm Anreize schaffen, Aktivitäten zur Vermeidung oder Bindung von Emissionen durchzuführen, die ohne das Crediting-Programm nicht stattgefunden hätten. Diese Credits werden auf freiwilliger Basis außerhalb des Geltungsbereichs verpflichtender CO2-Bepreisungsinitiativen geschaffen (d. h. in verschiedenen Unternehmen, Sektoren oder Ländern), was einen grundlegenden Unterschied zu Emissionsberechtigungen oder -gutschriften auf verpflichtenden CO2-Märkten darstellt. Die freiwilligen Emissionsgutschriften können als 'Offsets' verwendet werden, um individuelle oder betriebliche Emissionen zu kompensieren.
ICROA-Kodex für Best Practice bei Offsets
ICROA: International Carbon Reduction and Offsetting Alliance
  • Echtsein: Alle Emissionsminderungen und -beseitigungen - und die Projektaktivitäten, die sie erzeugen - müssen nachweislich tatsächlich stattgefunden haben.
  • Messbar: Alle Emissionsminderungen und -beseitigungen müssen unter Verwendung anerkannter Messmethoden (einschließlich Anpassungen für Unsicherheiten und Leckagen) gegenüber einer glaubwürdigen Emissions-Baseline quantifizierbar sein.
  • Dauerhaft: Die CO2-Gutschriften müssen dauerhafte Emissionsminderungen und -beseitigungen darstellen. Bei Projekten, bei denen das Risiko der Reversibilität besteht, müssen zumindest angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um sicherzustellen, dass dieses Risiko minimiert wird und dass im Falle einer Reversion ein Mechanismus vorhanden ist, der garantiert, dass die entsprechenden Minderungen oder Beseitigungen ersetzt oder kompensiert werden. Die international anerkannte Norm für Beständigkeit ist 100 Jahre.
  • Zusätzlich: Zusätzlichkeit ist ein grundlegendes Kriterium für jedes Offset-Projekt. Die projektbezogenen Emissionsminderungen und -beseitigungen müssen zusätzlich zu dem sein, was ohne das Projekt eingetreten wäre.
  • Von unabhängiger Seite verifiziert: Alle Emissionsminderungen und -beseitigungen müssen, bis zu einem vernünftigen Grad an Gewissheit, von einem unabhängigen und qualifizierten Dritten überprüft werden.
  • Einmalig: Nur ein Carbon-Offset darf mit einer einzelnen Emissionsminderung oder -beseitigung in Form von einer Tonne Kohlendioxidäquivalent (CO2e) verbunden sein. Die Carbon-Offsets sind in einem unabhängigen Register zu speichern und stillzulegen.
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